Kommunikation in der Kommune verbessern – so geht’s

Wenn in der Verwaltung nur noch weitergeleitet, aber nicht mehr gesprochen wird – So gelingt Zusammenarbeit in der Kommune – auch unter Druck

Montagmorgen, 8:05 Uhr. Frau Krüger aus dem Fachbereich Soziales öffnet ihr Mailprogramm.
34 neue Mails – viele davon im CC. Es geht um ein gemeinsames Projekt mit dem Bauamt: den Umbau eines leerstehenden Schulgebäudes zur Tagespflegeeinrichtung.

Doch statt klarer Absprachen herrscht Funkstille.
Im letzten Jour fixe saß man sich gegenüber – aber niemand sprach die wachsenden Probleme offen an.
Jetzt stockt das Projekt. Keiner fühlt sich zuständig. Und alle sind genervt.

Die Stimmung? „Jede:r macht seins.“
Die Realität? Keiner weiß genau, wer was macht.
Die Folge? Reibungsverluste, Doppelarbeit, Frust.

Und irgendwann stellt sich die Frage:

  • Wie verbessert man die Kommunikation in kommunalen Teams?
  • Wie kann man die Zusammenarbeit und Kommunikation im Rathaus fördern
  • Welche Rolle spielt die Kommunikation in der öffentlichen Verwaltung?

Kommunikation in der kommunalen Verwaltung – warum sie oft leidet

Kommunale Verwaltungen sind historisch und strukturell entlang von Zuständigkeiten organisiert – nicht entlang durchgängiger Prozesse.
Das funktioniert gut, solange Aufgaben innerhalb eines Fachbereichs bearbeitet werden. Doch sobald mehrere Ämter zusammenarbeiten müssen – wie bei Projekten mit Schnittstellen zwischen Soziales, Bau, Jugend oder Finanzen – zeigen sich oft die Grenzen dieses Systems.

Typische Schwächen:

  • Schriftliche Kommunikation ersetzt echte Abstimmung

  • Führungskräfte kommunizieren nur vertikal, nicht horizontal

  • Informationen versickern – niemand fühlt sich verantwortlich


Kommunikation in der öffentlichen Verwaltung – Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1:
Ein Digitalisierungsprojekt scheitert, weil IT, Personal und Fachbereich nicht miteinander sprechen – jede:r hat eigene Vorstellungen und Zeitlinien.

Beispiel 2:
In einer Amtsleitungskonferenz werden Konflikte angesprochen – aber nicht bearbeitet. Eine gemeinsame Linie nach außen fehlt.


Welche Kommunikationsfähigkeiten sind in der öffentlichen Verwaltung erforderlich?

Kommunikation ist in der Verwaltung nicht „nice to have“ – sie ist Schlüsselkompetenz für Steuerung, Führung und Zusammenarbeit.

Konkret heißt das:

  • Sachlich Klartext sprechen können, ohne Angriffsangst

  • Unterschiedliche Perspektiven aushalten und moderieren

  • Feedback geben und annehmen – jenseits von Hierarchie

  • Konflikte nicht vertagen, sondern klären


Wie können kommunale Führungskräfte die Kommunikationsfähigkeit im Team verbessern?

Gute Kommunikation beginnt bei der Führungskraft – aber nicht als Alleinverantwortung.
Sondern mit der Fähigkeit, Kommunikationsprozesse zu strukturieren und zu schützen.

Maßnahmen für den Alltag:

1. Rollen und Erwartungen sichtbar machen

Verantwortung beginnt da, wo Klarheit herrscht. Was erwartet der Fachbereich vom Querschnitt? Was die Leitung vom Team?

2. Transparente Rückmeldestrukturen etablieren

Nicht: „Wir sprechen irgendwann drüber.“
Sondern: „Wir klären Themen regelmäßig, verbindlich, mit Protokoll.“

3. Kommunikationsverantwortung benennen

Ein Projekt ohne Verantwortliche für den Kommunikationsfluss?
Ein sicherer Weg in die Krise.


Was ist wichtig bei der Kommunikation in der Kommune?

Gute Kommunikation heißt nicht, mehr zu sprechen – sondern klüger zu kommunizieren.

Drei Prinzipien kommunaler Teamkommunikation:

  1. Verbindlichkeit statt Andeutung

  2. Struktur statt „Miteinander reden“

  3. Verantwortung statt Delegation


Welche Maßnahme der Kommune würde die Kommunikation verbessern?

Die wirkungsvollste Maßnahme: Eine strukturierte Kommunikationskultur etablieren.

Das heißt:

  • Feedbackrunden als fester Bestandteil von Projekt- oder Steuerungssitzungen

  • Führungskräfte-Coachings zu Kommunikationskompetenz

  • Teamkonfliktklärungen als aktives Steuerungsinstrument

  • Ein gemeinsames Verständnis davon, was gute Kommunikation in der Verwaltung bedeutet


Wie kann man die Kommunikation und Zusammenarbeit in der Kommune fördern?

Verwaltungen sind keine Start-ups – aber sie müssen sich ähnlich dynamisch organisieren, wenn sie zukunftsfähig bleiben wollen.

Zwei Schlüssel:

Haltung:

Kommunikation ist nicht „zusätzliche Arbeit“, sondern Führungsaufgabe.

Struktur:

Kommunikation braucht feste Formate, Verbindlichkeit – und Zeit.


Verbessere die Kommunikation in deiner Kommune – einfache Tipps

  • Beginne jede Projektbesprechung mit einer Rollenklärung

  • Vereinbare: „Feedback ist Führungsroutine – kein Ausnahmefall“

  • Kläre: „Was ist ein informatives Gespräch – was ein abstimmendes?“

  • Dokumentiere Ergebnisse – immer!


Fazit: Kommunikation ist der Schlüssel zur Handlungsfähigkeit kommunaler Organisationen

Wer in der Verwaltung nicht klar kommuniziert, verliert Zeit, Ressourcen und Motivation.
Und wer das erkennt, kann handeln.

Denn:
Kommunikation ist kein Hindernis – sondern Hebel.


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Autor: Matthias Wilhelm

Matthias Wilhelm ist Mediator und Rechtsanwalt

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Matthias Wilhelm ist 1974 in Hannover geboren worden, verheiratet und hat ein Kind. Bekannt ist er u.a. aus: Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, ZEIT ONLINE, NDR Kultur, ntv.

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Matthias Wilhelm

Matthias Wilhelm ist Mediator und Rechtsanwalt aus Göttingen, der auf die Klärung von Teamkonflikten spezialisiert ist. Bundesweit tätig und branchenübergreifend mit über 1.000 geklärten Konflikten. Bekannt aus Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, ZEIT ONLINE, NDR Kultur und ntv.
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Basis: KPMG-Konfliktkostenstudie (2009)