Konflikte zwischen Lehrkräften im Kollegium lösen

Konflikte zwischen Lehrkräften im Kollegium lösen

Konflikte im Kollegium einer Schule werden gelöst, sobald Antworten auf zwei zentrale Fragen gefunden werden: Welche Regeln gelten zwischen den Lehrkräften verbindlich? Und welchen konkreten Beitrag leistet jede einzelne Lehrkraft selbst, damit die Zusammenarbeit endlich wieder ordentlich funktioniert? In diesem Beitrag erfahren Sie, wie es zu Konflikten zwischen Lehrerinnen und Lehrern kommt, wann eine Schulmediation für das Kollegium angezeigt ist und welche konkreten Handlungsmöglichkeiten eine Schulleitung hat.

Streit im Lehrerkollegium: Wenn eine Klassenarbeit die Fachgruppe spaltet

Sitzung der Fachkonferenz Mathematik. Frau Berger hat für Jahrgang sechs die gemeinsame Klassenarbeit erstellt, die vorher von der Fachkonferenz beschlossen worden war. Frau Berger geht davon aus, dass die Arbeit in sämtlichen Klassen des Jahrgangs parallel geschrieben wird. Herr Neumann hat die Aufgaben der Arbeit allerdings kurz vorher geändert; seine Klasse ist mit dem Stoff noch nicht so weit. Für ihn ist die Abänderung pädagogisch erforderlich. Frau Berger sieht darin allerdings einen Verstoß gegen den gemeinsamen Beschluss. Nach wenigen Wochen sprechen beide fast gar nicht mehr miteinander und einige Kollegen ergreifen bereits Partei. Schnell ist der schulleiterin klar: Hier geht es nicht mehr um die Klassenarbeit, sondern um Frau Berger und Herrn Neumann.


Was sind die häufigsten Ursachen für Konflikte im Lehrerkollegium?

Auseinandersetzungen zwischen KollegInnen haben ihren Anfang in der Regel nicht in persönlicher Abneigung, sondern in alltäglichen Fragen: ungklaren Zuständigkeiten, unterschiedlichen Arbeitsweisen, unterschiedlichen pädagogischen Vorstellungen und einer hohen Arbeitsbelastung. Wer übernimmt die Verantwortung für die Projektwoche? Wer informiert die Eltern? Wie verbindlich sind gemeinsame Standards? Werden derartige Fragen zu lange nicht geklärt, verändert sich oft die Wahrnehmung der Beteiligten. Aus „Wir haben einfach unterschiedliche Ansichten dazu“ wird irgendwann „Mit dem kann man nicht arbeiten“. Dann steht nicht mehr das konkrete Verhalten einzelner Beteiligter im Fokus, sondern die Person selbst wird zum Problem erklärt.


Was tun bei Konflikten im Lehrerkollegium?

Statt die gesamte Konfliktgeschichte aufzurollen, sollte die Schulleitung den Blick darauf richten, was die einzelnen Beteiligten zukünftig bereit sind beizutragen, dass die Zusammenarbeit wieder funktioniert. Denn Einzelgespräche, in denen besprochen wird, wer wann welche Aussage gemacht hat, führen oft nur zu weiteren Verletzungen und alte Vorwürfe kommen wieder auf den Tisch.

Die Schulleiterin muss nicht bewerten, ob nun Frau Berger oder Herr Neumann Recht hat. Zunächst sollte sie klar kommunizieren, was für alle verbindlich ist. Innerhalb dieser Grenzen dürfen beide weiter ihre verschiedenen pädagogischen Vorstellungen haben. Denn eine erfolgreiche Lösung setzt keine identischen pädagogischen Überzeugungen voraus. Die Schulleitin sollte aber klarstellen, dass sie von beiden konkrete Beiträge erwartet, damit die Zusammenarbeit in der Fachgruppe wieder funktioniert. Entscheidend ist, dass sich alle auf eine verlässliche Zusammenarbeit einlassen.

Wie weit der Streit zwischen den Kolleginnen und Kollegen bereits fortgeschritten ist, können Sie mit dem Konfliktradar einschätzen.


Konflikte im Lehrerkollegium klären – 4 Tipps für die Schulleitung

Die Schulleitung ist nicht dafür verantwortlich, selbst jede Auseinandersetzung zu klären. Die Aufgabe der Schulleitung besteht aber darin, einen verbindlichen Rahmen zu setzen, im Konfliktfall rechtzeitig präsent zu sein, gleichwohl aber die Verantwortung bei den Lehrerinnen und Lehrern zu belassen und schließlich die Einhaltung getroffener Vereinbarungen zu gewährleisten.

  1. Rahmen setzen. Lehrkräfte dürfen verschiedene Standpunkte haben und über getroffene Entscheidungen frustriert oder verärgert sein. Konferenzbeschlüsse, Zuständigkeiten und ein professioneller Umgang miteinander gelten gleichwohl für alle – auch für die, die lieber eine andere Entscheidung wollten.
  2. Früh eingreifen. Unterschiedliche pädagogische Vorstellungen und sachliche Diskussionen sind völlig in Ordnung und überhaut kein Anlass zum Einzugreifen. Ganz im Gegenteil: Solche Auseinandersetzungen sind für die Schulentwicklung wichtig. Anders sieht es allerdings aus, wenn Informationen absichtlich nicht weitergegeben, getroffene Vereinbarungen nicht eingehalten oder weitere Lehrkräfte in den Konflikt hineingezogen werden.
  3. Verantwortung zurückgeben. Ein ordentlicher Umgang miteinander lässt sich nicht einfach von oben verordnen. Frau Berger könnte bspw. zusagen, ihre Ideen künftig vorab als Vorschläge einzubringen, Herr Neumann geplante Abweichungen frühzeitig anzusprechen.
  4. Konkret vereinbaren und prüfen. Anstelle von Allgemeinplätzen wie „Wir kommunizieren besser“ könnten die Beteiligten vereinbaren, dass Ideen als Entwürfe eine Woche vor der Fachkonferenz vorliegen und Änderungswünsche sofort miteinander besprochen werden. Die Schulleitung rüft Nach vier Wochen, ob diese Vereinbarungen auch tatsächlich umgesetzt werden.

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Matthias Wilhelm ist Mediator und Rechtsanwalt und hat sich ausschließlich auf die Klärung von Teamkonflikten spezialisiert, auch in Bildungseinrichtungen. Seine Erfahrung aus über 1.000 geklärten Konflikten zeigt: In Kollegien, in denen Lehrkräfte große fachliche Eigenverantwortung tragen, werden Vorgaben immer wieder als Einschränkung der eigenen Freiheit wahrgenommen. Daher differenziert Wilhelm in seiner Arbeit stringent zwischen dem Rahmen, den die Leitung vorgibt, und dem Gestaltungsspielraum, den die Beteiligten eigenverantwortlich ausfüllen. Verschiedene pädagogische Vorstellungen werden nicht wegmoderiert. Vielmehr geht es darum, daraus verlässliche Regelungen für die Zusammenarbeit und den Umgang miteinander zu schaffen, zu denen jeder einzelne Beteiligte seinen konkreten Beitrag benennt. Wilhelm ist bundesweit tätig und über die Mediationskanzlei Göttingen erreichbar.


Was tun bei Konflikten unter Lehrkräften, wenn einzelne nicht mitziehen?

Wenn sich eine Lehrkraft an vereinbarte Regelungen nicht hält, sollte die Schulleitung zunächst unterscheiden: Fehlt es an der Fähigkeit, ist Unterstützung gefragt. Mangelt es dagegen an der Bereitschaft, braucht es eine eindeutige Erwartung. Sagt Frau Berger zum Beispiel: „Erst wenn er seinen Fehler einsieht, werde ich mich wieder mit ihm abstimmen“, könnte die Schulleiterin entgegnen: „Sie müssen seinen Standpunkt nicht teilen. Ich erwarte aber ganz klar, dass Sie sich an die gemeinsam getroffenen Absprachen halten.“ Die Verweigerung eines einzelnen Lehrers darf nicht dazu führen, dass die Kooperation des ganzen Jahrgangsteams anhaltend blockiert wird.


Konflikt im Schulteam: zwischen Lehrkräften oder mit der Schulleitung

Bei Auseinandersetzungen im Schulteam ist zu unterscheiden, wer daran beteiligt ist: Besteht der konflikt zwischen Lehrkräften, kann die Schulleitung den Rahmen vorgeben und versuchen, die Klärung zu moderieren. Ist sie selbst Teil des Konflikts, ist auf jeden Fall eine neutrale externe Person erforderlich. Bei Streitigkeiten zwischen Lehrerinnen und Lehrern bleibt es Aufgabe der Schulleitung, die bestehenden Reglen zu kommunizieren und durchzusetzen, wie das Beispiel von Frau Berger und Herrn Neumann zeigt. Anders ist es bei einem Konflikt zwischen Lehrkräften und Schulleitung, bspw. wegen der Vertretungsplanung, der Unterrichtsverteilung oder anderer verbindlicher Vorgaben. Es ist klar, dass die Schulleitung In diesem Fall nicht zugleich eine neutrale Vermittlungsrolle übernehmen kann. Jeder Vermittlungsversuch „in eigener Sache“ birgt die Gefahr, dass der Eindruck entsteht, dass sie ein Verfahren in eigener Sache führt. Eine extern begleitete Schulmediation bietet in diesen Fällen die beste Möglichkeit, dass alle Seiten ihre Standpunkte offen ansprechen können.


Was die Praxis bei Konflikten in Kollegien zeigt

Meine Erfahrung zeigt, dass Konflikte in Kollegien mit hoher fachlicher Selbständigkeit oft mit der unbeantworteten Frage beginnen, wo die Grenze zwischen Vorgaben und eigener Gestaltungsfreiheit verläuft. Für die Praxis heißt das: Solange diese Grenze unklar ist, tragen Lehrkräfte womöglich einen Konflikt aus, dessen tatsächliche Ursache eigentlich in einer von der Schulleitung oder der Fachkonferenz zu entscheidenen, allerdings immer noch offenen Frage liegt. Sobald die Zuständigkeiten und Grenzen geklärt sind, verliert die Auseinandersetzung dann oft an Schärfe.


Schulmediation im Lehrerkollegium: Wann externe Begleitung sinnvoll ist

Eine Schulmediation für das Kollegium bietet sich an, wenn Schulleitung und Fachkonferenzvorsitz wiederholt versucht haben zu vermitteln, weitere Gespräche aber immer wieder in gegenseitigen Vorwürfen enden. Beide werden dann selbst als Konfliktpartei wahrgenommen. Anders als die Streitschlichter-Programme für die Schülerschaft richtet sich diese Schulmediation allerdings ausdrücklich an die Erwachsenen innerhalb der Schule: an LehrerInnen, Fachgruppen und die Schulleitung. Ziel ist es, die unterschiedlichen Sichtweisen transparent zu machen, ohne weitere Schuldzuweisungen zu provozieren, und zusammen den Fokus auf die künftige Kooperation zu richten. Erforderliche Entscheidungen der Schulleitung kann eine solche Schulmediation aber nicht ersetzen. Stehen Vorwürfe wie Belästigung oder Diskriminierung im Raum, müssen zudem geeignete Prüf- und Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.

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Checkliste: Konflikte zwischen Lehrkräften konstruktiv lösen

Jede Frage, die die Schulleitung mit „nein“ beantwortet, zeigt ihr den nächsten Schritt.

PrüffrageWenn nein, dann …
Ist der sachliche Kern noch erkennbar?Sachlichen Kern benennen und vom persönlichen Konflikt trennen
Sind Vorgaben und Zuständigkeiten klar?zunächst den Rahmen klären
Weiß jede Lehrkraft, was sie selbst beiträgt?klären, was jede/r Beteiligte bereit ist beizutragen
Gibt es überprüfbare Vereinbarungen?Absichten in konkrete Handlungen übersetzen
Steht ein Überprüfungstermin fest?Review vereinbaren (nach etwa drei bis vier Wochen)

Fazit: Professionelle Zusammenarbeit braucht keine gemeinsame Meinung

Lehrerinnen und Lehrer müssen nicht in allen Fragen einer Meinung sein, um als Kollegium gut zusammenarbeiten zu können. Entscheidend ist, dass verschiedene pädagogische Vorstellungen die Erfüllung gemeinsamer Aufgaben nicht stören. Die Schulleitung gibt dafür den Rahmen vor und formuliert transparente Erwartungen. Die Lehrkräfte übernehmen dabei Verantwortung für ihre eigenen Beitröge zur gedeilichen Zusammenarbeit. So kann ein Kollegium auch bei unterschiedlichen Auffassungen verlässlich kooperieren und zusammenarbeiten – zum Wohl der Schülerinnen und Schüler.

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Autor: Matthias Wilhelm

Matthias Wilhelm ist Mediator und Rechtsanwalt

Spezialisiert auf Teamkonflikte:

Matthias Wilhelm ist ausschließlich auf die Klärung von Konflikten in Teams, Gruppen, Abteilungen, Gremien, Kollegien etc. spezialisiert. Durch diese Spezialisierung kann er maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die genau auf Ihre Situation zugeschnitten sind.

Branchenübergreifend:

Seine Spezialisierung sind Teamkonflikte, egal in welcher Branche. Matthias Wilhelm ist im öffentlichen Dienst genauso zu Hause wie in der Gesundheitsbranche und sozialen Berufen, im Handwerk und produzierenden Gewerbe, im Einzelhandel, in Versicherungen, (Hoch-) Schulen, Kindergärten, Vereinen und, und, und. Schauen Sie sich seine Referenzen an und sprechen ihn an!

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Bundesweit tätig:

Aufgrund der zentralen Lage Göttingens im Herzen Deutschlands nimmt Matthias Wilhelm bundesweit Aufträge an. Er ist regelmäßig in ganz Deutschland unterwegs.

Kollaborative Lösungsansätze:

Matthias Wilhelm fördert kollaborative Lösungsansätze. Dazu fordert er von den Mitarbeitenden die Übernahme der Verantwortung für die Klärung ihres Konflikts und beantwortet die Frage, was jedes einzelne Teammitglied konkret bereit ist beizutragen, um wieder ordentlich miteinander zu arbeiten.

Ach ja:

Matthias Wilhelm ist 1974 in Hannover geboren worden, verheiratet und hat ein Kind. Bekannt ist er u.a. aus: Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, ZEIT ONLINE, NDR Kultur, ntv.

FAQ: Häufige Fragen zu Konflikten im Lehrerkollegium

Muss die Schulleitung entscheiden, wer im Konflikt recht hat?

in der Regel nicht. Die Schulleitung klärt, was für alle verbindlich ist. Innerhalb dieses Rahmens dürfen die Lehrenden verschiedene pädagogische Vorstellungen vertreten. Sie entscheidet aber dort, wo etwas verbindlich geregelt werden muss, bspw. Zuständigkeiten oder gemeinsame Klassenarbeiten.

Wie verträgt sich pädagogische Freiheit mit verbindlichen Absprachen?

Beides verträgt sich. Es muss aber klar sein, wo die Freiheit endet. Der Gestaltungsspielraum betrifft vor allem das „Wie“ des eigenen Unterrichts. Verbindliche Absprachen betreffen das, was für alle gelten muss, bspw. gemeinsame Klassenarbeiten, Zuständigkeiten oder Fristen. Konflikte entstehen vor allem dort, wo diese Grenze nicht ausdrücklich gezogen wurde.

Ab wann ist eine Schulmediation für das Kollegium sinnvoll?

Immer dann, wenn interne Klärungsversuche gescheitert sind. Anzeichen dafür sind: Gespräche eskalieren mit neuen Vorwürfen, Lehrkräfte werden hineingezogen (sog. Lagerbildung) oder die Schulleitung ist selbst am konflikt betiligt. In diesen Fällen fehlt intern die Neutralität und allparteilichkeit. Eine Schulmediation mit externer Begleitung schafft den Rahmen, den die Schule mit Bordmitteln allein nicht mehr geben kann.

Was tun, wenn eine Lehrkraft Absprachen verweigert?

Zunächst gilt es zu klären, ob ihr es ihr an Fähigkeit oder Bereitschaft mangelt. Bei fehlender Fähigkeit helfen Klarstellung und Unterstützung. Bei fehlender Bereitschaft muss die Schulleitung ihre Erwartung klar und deutlich zum ausdruck bringen: Der Lehrer muss zwar die Sicht des Kollegen nicht teilen, aber die vereinbarten Absprachen einhalten.

Bekommen Schülerinnen und Schüler Konflikte im Kollegium mit?

Meist viel früher, als die Beteiligten annehmen. Geplatzte Projektabsprachen, Widersprüche vor der Klasse oder unterschiedliche Arbeiten in Parallelklassen machen Auseinandersetzungen unter den KollegInnen deutlich, auch für die Eltern. Umso wichtiger ist es, den Konflikt zu klären, solange es moch um fachliche Fragen geht.

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Matthias Wilhelm ist Mediator und Rechtsanwalt aus Göttingen, der auf die Klärung von Teamkonflikten spezialisiert ist. Bundesweit tätig und branchenübergreifend mit über 1.000 geklärten Konflikten. Bekannt aus Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, ZEIT ONLINE, NDR Kultur und ntv.
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Formel: Arbeitgeberkosten × 10 % × Anzahl
Basis: KPMG-Konfliktkostenstudie (2009)